Assistenz im Krankenhaus

Assistenz im Krankenhaus

Menschen mit einer Behinderung, die im alltäglichen Leben auf persönliche Assistenz angewiesen sind, benötigen diese Unterstützung auch dann, wenn sie im Krankenhaus oder in einer Reha-Klinik zur Kur sind. Das in der Klinik vorhandene Personal kann diese Hilfe nicht übernehmen: Zum einen ist nicht genügend Personal vorhanden, um den besonderen Bedürfnissen einer behinderten Person gerecht werden zu können. Zum anderen haben die Mitarbeiter*nnen im Krankenhaus nicht das Wissen darüber, welche Hilfe der*die einzelne behinderte Patient*in in welcher Art und Weise benötigt. Im Falle einer Kommunikationsbehinderung kommen Verständigungsprobleme hinzu.

Meist ist das Klinikpersonal sehr froh, wenn eine behinderte Person von einer Assistenzkraft begleitet wird. Das Krankenhaus will dies aber oft nicht gegenüber dem zuständigen Kostenträger bescheinigen, da ein sog. Vollversorgungsanspruch besteht. Das heißt, dass ein Krankenhaus verpflichtet ist, alle notwendigen Leistungen für eine*n Patient*in zu erbringen.

Zwar trat Anfang August 2009 das so genannte Gesetz zur Regelung des Assistenzpflegebedarfs im Krankenhaus in Kraft, das die Finanzierung von Assistenz im Krankenhaus sicherstellt, jedoch sind von der neuen Regelung nur behinderte Arbeitgeber*innen erfasst, die ihre Assistent*innen selber bei sich angestellt haben – nicht aber Kund*innen von Assistenzdiensten.
Eine Petition unseres Mitarbeiters Martin Seidler, die auf die Gleichbehandlung aller Menschen mit Assistenzbedarf abzielte, wurde leider mit einem unbefriedigenden Ergebnis abgeschlossen.  [Mehr zur Petition]

Anfang 2016 konnte ambulante dienste e. V.  mit der zuständigen Senatsverwaltung eine Vereinbarung erzielen, dass bei Kund*innen mit einem hohen Hilfebedarf zumindest bis zu zwei Drittel der im Alltag bewilligten Stunden im Falle eines Krankenhausaufenthalts (weiter-)finanziert werden.
Bestimmte Bezirke halten sich nicht an diese Vereinbarung. Darum fand im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg am 4. April 2017 eine Aktion statt. [Näheres zu der Aktion und den (positiven) Folgen]
Aber ambulante dienste e. V. lässt ihre Kund*innen nicht im Stich: Notwendige Assistenz im Krankenhaus wird  von uns in der Regel auch trotzdem (d. h. ohne Gegenfinanzierung) erbracht.

Zu diesem Thema fand am 4. Dezember 2007 eine Fachtagung statt, deren Inhalte leider nach wie vor aktuell sind. [Dokumentation der Veranstaltung].

Mehr Informationen: ForseA-Kampagne “Ich muss ins Krankenhaus … und nun”